NÖ-Storys: Weiterlesen

    Die Geschichten auf den NÖ-Stories-Karten geben nur einen ersten Einblick. Hinter vielen dieser Ereignisse verbergen sich weitere Details, historische Quellen und spannende Hintergründe.

    Auf dieser Seite finden Sie ergänzende Informationen zu ausgewählten Karten: zeitgenössische Berichte, spätere Aufarbeitungen und Hinweise zum Weiterlesen. Für alle, die tiefer eintauchen und den Geschichten auf den Grund gehen möchten.

    Karte 06: Pleite, Pech und Pannen

    Die Zugkatastrophe schlug damals hohe Wellen: Aus allen Richtungen strömten Journalisten, Helfer und Schaulustige zum Unglücksort. Zahlreiche Zeitungen und Sonderausgaben berichteten über das Ereignis.

    Da es keine Fotografien gab, wurden Zeichnungen angefertigt, um das Geschehen festzuhalten. Heute lassen sich diese historischen Berichte als Digitalisate online einsehen – etwa im Illustrierten Wiener Extrablatt.

    Mit einigen Jahren Abstand wurde der Blick auf die Ereignisse etwas klarer. Auch hatte der Bahnwärter siene Untat inzwischen gestanden. In Zeitschriften wie dem „Waldviertler Heimatbund“ (Heft Nr. 6,1 September 1929) wurde die Geschichte aufgegriffen und mit allen Details erfasst. 

    Auch in der Belletristik hat das Unglück Spuren hinterlassen. In seinem Roman „Nachtzug nach Eger“ verarbeitet Walter Schmidt das Geschehen literarisch und verleiht den Opfern eine menschliche Geschichte. (Walter Schmidt: Nachtzug nach Eger, Bibliothek der Provinz 2022.)

    Auch ein Wikipedia-Artikel existiert zu der Zugkatastrophe.

    07: Nicht so toll

    Der Dichter und Dramatiker Ferdinand Raimund war Zeit seines Lebens geplagt von psychischer Krankheit, was ihn schließlich auch das Leben kostete. Nachdem ihm sein Hund einen leichten Biss zufügte, war er überzeugt, an Tollwut zu sterben und nahm sich daraufhin selbst das Leben. 

    Die tragische Geschichte wurde vielfach in Texte gefasst, zum Beispiel hier. 

    Wer Interesse daran hat, wie mit psychischen Erkrankungen zu früheren Zeiten umgegangen wurde, kann außerdem die aktuelle NÖ Landesausstellung “Wenn die Welt Kopf steht” besuchen. Die Ausstellung ist auch für Kinder geeignet.

    08: Verrückt nach Mary

    Eine berühmte Tote bekommt Beine und landet in einem Möbelhaus. Dahinter steckt ein ungewöhnlicher Grabraub, durchgeführt von einem Hobby-Historiker. 

    Die Geschichte hat der leitende Kriminalpolizist Jahre später in diesem Buch detailliert niedergeschrieben: Mary Vetsera - Der Grabraub 1992

    Wer es gern kürzer möchte, findet hier einen kompakten Artikel des Innenministeriums: Verrückt nach Mary

    13: Sicher eine toxische Beziehung

    Martha Marek ging als Serienmörderin in die österreichische Geschichte ein. In Mödling aufgewachsen beging sie als erwachsene Frau mehrere Giftmorde, betrog die Versicherung und täuschte die Öffentlichkeit. Sie wurde 1938 verurteilt und hingerichtet. Ihre Geschichte wurde vielfach verarbeitet. 

    Einen raschen Überblick über Martha Mareks Leben und ihre Taten liefert der Wikipedia-Artikel zu ihrer Person

    Martha Mareks Geschichte lieferte auch Romanstoff. Hier zwei Werke, die von ihrer Figur inspiriert sind: 
    Susanne Ayoub: Engelsgift.
    Sophie Reyer: Clara und ihre Morde

    Außerdem wurde ihre Geschichte in mehreren True Crime Podcasts aufgearbeitet, zum Beispiel hier:
    Zeit Verbrechen: “Die Serienmörderin Martha Marek”
     

    Karte 21: Ordnung muss sein

    Obwohl Loosdorf heute nicht als Bildungszentrum bekannt ist, war die „Hohe Schule“ im 16. Jahrhundert eine der bedeutendsten protestantischen Bildungsstätten im heutigen Niederösterreich und zog Schüler aus weiten Teilen Mitteleuropas an. Sie stand für eine neue Form von Bildung, die humanistische Inhalte mit reformatorischen Ideen verband und damit einen klaren Gegenentwurf zu den katholischen Einrichtungen der Zeit darstellte.

    Ein zentrales Zeugnis dieser Schule ist die Loosdorfer Schulordnung von 1574, die in Augsburg gedruckt wurde und zu den wichtigsten Quellen der österreichischen Bildungsgeschichte zählt. Sie ist besonders wertvoll, weil sie – im Gegensatz zu vielen anderen Schulordnungen dieser Zeit – tatsächlich überliefert ist und detaillierte Einblicke in Unterricht, Disziplin und den Alltag der Schüler gibt. Dass sie eigens in Augsburg gedruckt wurde, zeigt die überregionale Bedeutung der Institution.

    Heute kann man eines der erhaltenen Exemplare dieser Schulordnung online einsehen.
    Für die österreichische Bildungsforschung ist die Loosdorfer Schulordnung von zentraler Bedeutung und wurde vielfach wissenschaftlich bearbeitet. Besonders hervorzuheben sind:

     

    Karte 23: Ich wünsch dir was

    Mit Voodoo und ähnlichen Ritualen verbindet man als Laie meist Kulturen Afrikas oder Südamerikas. Dass jedoch auch in unseren Breiten der Glaube an vergleichbare Praktiken verbreitet war, belegen die Funde aus Carnuntum. Und nicht nur dort: In zahlreichen römischen Siedlungen im süddeutschen Raum wurden entsprechende Zeugnisse entdeckt und wissenschaftlich ausgewertet. Besondere mediale Aufmerksamkeit erlangten die „Straubinger Voodoopuppen“, über die sogar Der Spiegelberichtete.

    Einen kompakten und zugleich gut verständlichen Überblick über die Rolle von Zauberpuppen in der Antike bietet ein wissenschaftlicher Aufsatz von György Németh mit mehreren Abbildungen antiker Voodoo-Puppen. 

    Anschaulich und mit spürbarer Begeisterung schildert zudem Dr. Maxi Maria Plach im Blog Minuseinsebene, wie weit verbreitet dieses Phänomen in Europa tatsächlich war.

     

    Karte 26: Schein und Sein

    Über das wechselhafte Leben und den zweifelhaften Ruf des Peter Ritter von Bohr wurde bereits zu seinen Lebzeiten viel gemunkelt. Eine geheimnisvolle Aura umgab den Mann, der nicht nur als genialer Geldfälscher galt, sondern auch als Maler, Tüftler, Erfinder und Investor hervortrat.

    Schon jener Polizeikommissar, Rudolph Edler von Felsenthal, der mit dem Fall betraut war und Bohr schließlich zu Fall brachte, veröffentlichte seine Erinnerungen:
    Aus der Praxis eines Wiener Kriminalbeamten. Der Banknotenfälscher Peter von B[ohr] (Wien 1853).

    Eine moderne, umfassend recherchierte Darstellung legte Susanne Roderer vor. Sie räumt mit zahlreichen Missverständnissen und Mythen auf:
    (Peter Bohr: Österreichs genialster Geldfälscher und seine Zeit. Regensburg 2005.)

    Der Stoff fand auch Eingang in die Literatur und Medien: Neben mehreren historischen Romanen wurde 1966 der ORF-Fernsehfilm Der Fall Bohr produziert – mit Helmut Qualtinger, Ernst Deutsch und Aglaja Schmid in den Hauptrollen.

    Fun Fact: Im Wasserschloss Kottingbrunn kann man heute einen Null-Euro-Schein mit Bohrs Konterfei erwerben – ein kurioses Andenken an einen der berühmtesten Fälscher Österreichs.

    Karte 27: Manche Begegnung macht kopflos

    Im Österreich des 18. Jahrhunderts gehörten Richtschwerter zu den zentralen Werkzeugen der Strafjustiz. Sie wurden vor allem bei der Vollstreckung von Todesurteilen durch Enthauptung eingesetzt – einer Hinrichtungsart, die als vergleichsweise „ehrenvoll“ galt und meist bei bestimmten Delikten oder sozialen Ständen zur Anwendung kam.
    Typisch für Richtschwerter war ihre besondere Form: Die Klinge war lang, breit und meist ohne ausgeprägte Spitze. Stattdessen endete sie oft stumpf oder leicht gerundet, da das Schwert nicht für den Stich, sondern ausschließlich für einen sauberen, kräftigen Hieb konstruiert war.
    Viele dieser Schwerter trugen Inschriften – etwa religiöse Formeln wie „Jesus Maria“ oder Mahnungen zur Gerechtigkeit – und waren teils reich verziert. Dies spiegelte die damalige Vorstellung wider, dass die Hinrichtung nicht nur eine Strafe, sondern auch ein Akt göttlicher Ordnung sei.
    Heute sind noch einige Richtschwerter aus dieser Zeit und aus dem Raum Niederösterreich erhalten und können unter anderem auch online bestaunt werden.

    Der Scharfrichter war von je her eine zentrale Figur der Strafjustiz. Er war für die Vollstreckung von Urteilen zuständig, insbesondere für Hinrichtungen durch das Richtschwert, und musste seine Arbeit mit großer Präzision ausführen: Ein einziger, sicher geführter Hieb galt als Zeichen von Professionalität und „Gerechtigkeit“.
    Trotz seiner wichtigen Funktion stand der Scharfrichter gesellschaftlich am Rand. Er und seine Familie waren oft von der Gemeinschaft ausgeschlossen, lebten in eigenen Häusern außerhalb der Ortschaft und heirateten meist nur innerhalb bestimmter Familienkreise. Gleichzeitig übernahm er auch andere Aufgaben, etwa das Beseitigen von Tierkadavern oder Tätigkeiten im Bereich der „unehrlichen“ Berufe.
    Die Tätigkeit erforderte nicht nur handwerkliches Können, sondern auch Erfahrung und Nervenstärke. Fehler bei der Hinrichtung konnten schwerwiegende Folgen haben und wurden von der Öffentlichkeit genau beobachtet. So bewegte sich der Scharfrichter stets in einem Spannungsfeld zwischen notwendiger Amtsperson und sozial geächteter Figur.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Scharfrichter