All you can read: Lesen im digitalen Raum

Mit der Digitalisierung hat sich auch unser Leseverhalten geändert. Der Zugang zu Texten und Informationen erscheint unendlich. Gleichzeitig sind die Anforderung an uns als Leserinnen und Leser gestiegen.

Ein Bub liest parallel auf Smartphone und Notebook

Bild: Adobe Stock 559592404

Stellen Sie sich vor, Sie gehen in ein Lokal. Es ist Mittagszeit und Sie und bestellen ein Menü. Die Zusammenstellung von Vorspeise, Hauptgang und Dessert ist für Sie damit bereits getroffen, Sie müssen sich darüber keine Gedanken mehr machen. So ähnlich verhält es sich auch mit herkömmlichen Print-Medien: eine gedruckte Zeitung stellt Ihnen eine kompakte Auswahl an Texten bereit, die für Sie als Leserin zusammengestellt wurden. 

Lesen digital: Selbstbedienung am unendlichen Buffet

Ganz anders gestaltet sich hingegen das Lesen im digitalen Raum. Hier steht man gewissermaßen vor einem unendlichen “Alll you can read” Buffet, das noch dazu 24 Stunden geöffnet hat. Wir wählen aus einer unschätzbaren Flut an Texten und können jederzeit vom einen zum anderen springen, wenn uns ein Inhalt nicht zusagt oder die Langeweile uns einholt. Studien bestätigen, dass das auch Auswirkungen zeigt. Denn Texte im digitalen Raum werden tatsächlich sprunghafter gelesen und rascher abgebrochen. 

Große Auswahl führt nicht unbedingt zu mehr Vielfalt

Wie am Buffet ist große Auswahl zwar schön und bereichernd, doch sie hat durchaus ihre Tücken. Nicht selten greifen wir angesichts der zahlreichen Möglichkeiten und oft verwirrenden Inhalte, die das Netz für uns bereithält, auf das Vertraute zurück: Menschen lesen nachweislich gern Texte, die das aussagen, was sie ohnehin schon glauben. Widersprechende Informationen werden demgegenüber lieber weggeklickt. Algorithmen, die uns immer wieder mit Ähnlichem konfrontieren, fördern diese Verengung. So neigen wir im übertragenen Sinn dazu, uns an immer denselben Inhalten zu “überfressen”. 

Lesen im Netz stellt höhere Anforderungen

Das Internet verlangt Leserinnen und Lesern insgesamt eine viel größere Bewusstheit und Selbstständigkeit beim Auswählen und Bewerten gelesener Texte ab. Wie vertrauenswürdig ist diese Quelle? Kann dieser Inhalt der Wahrheit entsprechen? Solche Fragen stellen sich natürlich auch beim analogen Lesen. Doch im Netz ist die Beurteilung von Informationen und Quellen um einiges schwieriger und oftmals auch für Leserinnen und Leser bewusst intransparent gehalten. 

Informationskompetenz und Medienbildung

Menschen zu befähigen, kritisch und kompetent mit Medien und Informationen umzugehen, ist deshalb eine immer wichtigere gesellschaftliche Aufgabe. Vom Kindergarten bis zur Erwachsenenbildung muss Informations- und Medienkompetenz eine zentrale Rolle spielen, sodass wir die vielfältigen Möglichkeiten, die die Digitalisierung bereit hält auch für uns nutzen und mitgestalten können.